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Philosophische Fakultät

News November 2015

STUDIUM
"Was studierst Du?" - Studierende stellen sich vor

Annika Gilbert ist 27 Jahre alt und beginnt bald mit ihrer Promotion am Seminar für Altorientalistik.

Mein universitärer Werdegang begann...am Theologieseminar in Göttingen. Dann habe ich mich vermehrt für den Alten Orient interessiert und über die Umgebung des Alten Testaments bin ich dann bei Altorientalistik gelandet …und führte mich…über Göttingen (Bachelor), nach Marburg (Master) und jetzt wieder nach Göttingen.

Mein Studium in Göttingen...habe ich in sehr guter Erinnerung, eine tolle Stadt zum Studieren! Auch in fachlicher Hinsicht habe ich viel gelernt, zum Beispiel gleich am Anfang des Studiums die Sprachen Sumerisch und Akkadisch.

Mein Fach gefällt mir, weil...es ein junges Fach ist und es daher noch viel zu erforschen gibt ….und ich habe es ausgesucht… weil ich immer Spaß an Sprachen hatte. In der Altorientalistik befassen wir uns mit den frühesten Texten überhaupt, das ist besonders spannend!

Zurzeit...bereite ich mich auf meine Promotion vor, in einer Forschungsgruppe, in der wir interdisziplinär zu antiken Mythen forschen.

Das Besondere an meinem Fach am Standort Göttingen ist…dass man von Anfang an Sprachen lernt und sich mit Keilschriftliteratur befasst. Einer der Schwerpunkte dabei ist die Mythosforschung, die mit der Forschergruppe nun noch intensiviert wird und von der sicherlich auch die Studierenden hier profitieren werden.

Wenn ich nicht in der Uni bin…reise ich gerne – nicht nur in den Orient – aber mag es auch zu backen.

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Annika Gilbert, © privat

BERUFLICHE ZUKUNFT
Praktikum bei ARTE

Viel Vorlauf – viele Einblicke: Caroline Schröder hat beim NDR in der Abteilung ARTE ein Praktikum absolviert.

„Ich habe mich anderthalb Jahre vorher beworben“, sagt sie. Es habe einige Zeit gedauert, bis sie eine Zusage hatte, „aber bei einem Haus wie dem NDR ist das ganz normal.“

Die Abteilung ARTE des NDR ist Teil des komplexen Geflechts des deutsch-französischen Kooperationssenders. „Fast jeder dort sprach sehr gut Französisch. Die Arbeit der Redakteurinnen bestand hauptsächlich darin, Projekte, die angenommen wurden, bei der Umsetzung zu betreuen“, sagt sie. Sie habe mit in Gesprächen mit Autoren sitzen dürfen. „Da ging es dann darum, welche Geschichten mit welchen Protagonisten erzählt werden können“, sagt Caroline Schröder.

Sie durfte sogar selbst aktiv werden. Bevor eine Sendung bei ARTE läuft, müssen die Autorinnen einen Projektentwurf einreichen. Sie freut sich: „Einige solcher Entwürfe durfte ich votieren, also überprüfen, ob sie zu ARTE passen und wenn ja, auf welchen Sendeplatz.“ So habe sie den Sender viel besser kennen gelernt, als es das bloße Fernsehen erlaubt. Um in dieser Fernsehbranche Fuß zu fassen, sei es unerlässlich, Praktika zu absolvieren. „Es hat Spaß gemacht. Auch wenn die Mitarbeiterinnen selbst viel zu tun hatten, haben sie meine Fragen zu ihrem Beruf und zu ihrem Werdegang gerne beantwortet“, fasst Caroline zusammen.

Sie haben Lust auf ein Praktikum, wissen aber noch nicht genau, wo es hingehen soll? Dann schauen Sie doch mal hier:

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Caroline Schröder, © privat

INTERNATIONAL
Viele Sprachen – eine Welt

So lautete das Motto des Essay-Wettbewerbs der Vereinten Nationen und eine der Gewinnerinnen heißt in diesem Jahr Wiebke Dirks, die in Göttingen Chinesisch und Englisch auf Lehramt studiert.

Eher durch Zufall sei sie auf den Wettbewerb gestoßen. „Meine Mitbewohnerin in China, wo ich für ein Jahr an der Zheijiang Universität war, hat mich darauf aufmerksam gemacht“, erzählt Wiebke Dirks. Quasi über Nacht sei dann der Essay, den sie auf Chinesisch schrieb, entstanden, der ihr die Teilnahme an einem Jugendforum in New York im Juli zusicherte.

Dort trafen sich die Gewinner des Wettbewerbs, um gemeinsam in Kleingruppen zu arbeiten und sich auszutauschen. Höhepunkt war der Vortrag vor der Generalversammlung der UN. Er musste in einer der sechs offiziellen UN-Sprachen gehalten werden. Wiebke Dirks entschied sich für Chinesisch. „Es war eine tolle Möglichkeit, die Früchte meiner Arbeit zu sehen, auch über die Uni hinaus. Vor drei Jahren konnte ich die Sprache noch nicht einmal und jetzt kann ich sie schon direkt umsetzen. Chinesisch war einfach die größere Herausforderung, etwas komplett Neues.“

Ihren Vortrag hielt sie über „Sichere einen gesunden Lebensstil und fördere das Wohlergehen aller in allen Altersstufen“ – ein Thema, das sie selbst besonders wichtig findet. „Schließlich ist das auch meine Zukunft, die ich da mitgestalte“, erklärt sie.

Den Wettbewerb und das Forum behält sie in guter Erinnerung, vor allem die langen Diskussionen mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus aller Welt: „Das sind schöne Erinnerungen, die bleiben und noch das Selbstvertrauen, das ich das gemeistert habe.“

Wiebke Dirks Vortrag gibt es hier (ab Minute 6): http://m.webtv.un.org
Weitere Infos: http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=5225

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Wiebke Dirks, © Universität Göttingen, Philosophische Fakultät

KOMMENTAR
Warum Geisteswissenschaften studieren?

Caroline Schröder räumt auf mit Vorurteilen über Geisteswissenschaften.

Nicht jeder fragt direkt. Manchmal zieht der große Bruder seine Augenbraue in die Höhe, in die ganz hohe Höhe, um seinem Zweifel an der Sinnhaftigkeit meines geisteswissenschaftlichen Studiums Ausdruck zu verleihen. Ich kenne das. Ich bin nicht beleidigt, ich rede mit der Augenbraue.

Solche Zweifel beziehen sich oft auf die Berufsaussichten, die mit einem geisteswissenschaftlichen Studium angeblich schlecht seien. Ja? Ich frage mich, wie das festzustellen sein soll bei der Vielfalt an beruflichen Feldern, in denen Geisteswissenschaftler tätig sind. Die Geisteswissenschaften könnten vielleicht deshalb etwas an Ansehen eingebüßt zu haben, weil nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, was es einem bringt, die Reiseroute der Lieselotte von der Pfalz zu kennen. (Ja, ich studiere Geschichte.)

Dabei geht es weniger um die Reiseroute selbst als um das, was ich beim Schreiben der Hausarbeit gelernt habe. Ich kann meine Arbeit organisieren. Ich weiß, wonach ich fragen muss und kann mich sehr schnell in neue Themen einarbeiten. Bei welcher Arbeit sollte das nicht förderlich sein? Sogenannte Soft Skills fühlen sich wirklich sehr weich an, und nicht unbedingt nach etwas Inhaltlichem, Gelerntem. Meine Arbeitsweise wird nicht benotet. Aber im Beruf wird es auch nicht um Noten gehen.

Ein geisteswissenschaftliches Studium ist kein Selbstläufer. Für den Erfolg meines Studiums trage ich selbst die Verantwortung. Da ich keine wissenschaftliche Karriere anstrebe, heißt das für mich, Praktika zu absolvieren und schon während des Studiums in dem Bereich zu arbeiten, in dem ich mich nach Abschluss meines Masters bewegen will. Diese Orientierung ist in allen Studienfächern nötig, natürlich, aber hier ganz besonders, weil uns so viele Türen offen stehen – wenn wir sie aufstoßen.

Ein besonders kritischer Verwandter mag hier vielleicht die Augenbraue senken, aber die Lippen bleiben gekräuselt. Wenn das Argument der beruflichen Hoffnungslosigkeit nicht greift, kommt das Wozu. Wozu ich das mache? Ich nehme das Interesse ernst und antworte: Weil es mir Spaß bereitet. Ich bin ganz ehrlich: Ich weiß, was ich später machen will, und dazu brauche ich einen Master. Irgendeinen. Also beschäftige ich mich mit Themen, die mir Spaß bringen und die mir leicht fallen. Diese Antwort besticht durch ihren Pragmatismus, auch wenn eine philosophische Argumentation gestützt auf Platon schicker wäre, das gebe ich zu.

Entweder werde ich jetzt endgültig nicht mehr ernst genommen oder aber mein Gegenüber beginnt, meine Entscheidung zu respektieren. Etwas aus Begeisterung zu tun, kann schlicht nicht verkehrt sein.

Warum studieren Sie Geisteswissenschaften? Wenn Sie nach dem Lesen dieses Artikels Lust bekommen haben, Ihre Beweggründe oder Ihre Erfahrungen mit Zweiflern mitzuteilen, schreiben Sie an oeffentlichkeitsarbeit@phil.uni-goettingen.de.

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Caroline Schröder, © privat